Man kann 4 verschiedenen Gruppierungen unterscheiden:
-1. Rein-bürgerliche Initiativen
-2. Eine von der japanischen kommunistischen Partei unterstützte Anti-Atom-Organisation
-3. Eine von der japanischen sozialdemokratischen Partei unterstützte Anti-Atom-Organisation
-4. Anti-Atom-Organisationen, die von verschiedenen politisch-ideologischen Gruppen gegründet bzw. unterstützt werden.
Dabei habe ich immer meine Meinung vertreten, dass alle Anti-Atom-Organisationen und einzelne Anti-Atom-Kämpfer über ihre einzelnen Meinungsunterschiede hinaus ihre Kräfte zusammenbündeln sollen, um damit gegen die Atombetreiber wirksam zu kämpfen und unser gemeinsames Ziel - die Welt ohne Atomwaffen und Atomkraftwerke - zu verwirklichen.
Bedauerlicherweise ist der Gegenteil der Fall. Seit dem Herbst 2012 gingen einerseits Anti-Atom-Demonstrationen in ganz Japan spürbar zurück, andererseits werden Disharmonien bzw.Spannungen unter den 4 Gruppierungen immer deutlicher.
Die Anti-Atom-Bewegungen und das Klinik-Projekt "Clinic-Fukushima"
Nun ist es so, "Clinic-Fukushima" wird verwaltet durch ein Gründungskomitee, das aus Einzelpersonen sowie Mitgliedern überregionaler Anti-Atom-Organisationen besteht, die zum Teil zu einer extrem links eingestellten politischen Gruppe "Chuukakuha" in Japan gehören, deren Ziel darin besteht, Japan durch Revolution, gegebenenfalls mit Gewalt, in ein total-kommunistisches Land umzuwandeln. Daher wird "Clinic-Fukushima" immer mehr von anderen Bürgerinitiativen über ihr Verhältnis zu der extrem linken Organisation "Chuukakuha" gefragt und dabei gleichzeitig die Befürchtung von ihnen geäußert, ob sie von der Gruppe Chuukakuha für ihr Interesse instrumentalisiert werden könnte.
Ich habe "Clinic-Fukushima" seit ihrer Gründung im Dezember 2012 mit den Spenden (insgesamt ca. 13.000.-- Euro) unterstützt, die ich bei meinen Vorträgen in Europa gesammelt hatte, da ich die Funktion der Klinik für unbedingt richtig und notwendig gehalten habe, um den Bürgern und den Kindern in Fukushima zu helfen. Außerdem habe ich selbst gesehen, dass sie ihre wichtigen Aufgaben tadellos erfüllt und die freiwilligen Ärzte trotz des Druckes von der Regierungsseite ihre Arbeit sehr gewissenhaft und mutig durchführen. Darüberhinaus kann ich bestätigen, daß die Menschen aus "Chuukakuha", die ich selbst persönlich kennengelernt habe, alle sich durchaus kooperativ und demokratisch verhalten haben.
Dennoch sah ich, daß "Clinik-Fukushima" und dessen Gründungskomitee von anderen Anti-Atom-Bürgern und deren Organisationen in Japan zunehmend gemieden werden und zwar aus der Befürchtung, dass deren Unterstützer, die zum größeren Teil aus der politisch extrem links orientierten Organisation "Chuukakuha" stammen, sie zu ihrem politischen Zweck mißbrauchen könnten.
Ich habe selbst aus verschiedenen Quellen zu wissen bekommen, dass über mich folgendermaßen geredet wird - teilweise sogar auch in Deutschland: Kobayashi arbeite eng mit dem Gründungskomitee von "Clinik-Fukushima" und mit der Organisation "Chuukakuha" zusammen, wäre daher auch ein linker Extremist, obwohl ich mich stets von allen politischen Organisationen bewußt frei gehalten habe. Da die Kritik vieler anderer japanischer Anti-Atom-Bürgerinitiativen schließlich immer lauter wurde, habe ich mich im September 2013 an 2 Menschen, die zu dieser extrem linken Gruppe gehören, gewandt und sie über ihre Stellung zu der Klinik gefragt.
Ihre Antwort war: sie kämpfen gegen die bestehende, kapitalistische Welt der Industrieländer und bejahen sogar schließlich auch die Gewaltanwendung, um ihr marxistisch-kommunistisches Ziel in Japan, sogar darüber hinaus in der ganzen Welt zu erreichen.
Für sie sei die "Clinik-Fukushima" deswegen untrennbar von ihrer politisch-ideologischen Zielsetzung.
Als ich diese Antwort von ihnen bekam, war ich zutiefst bestürzt. Ich habe daher anschließend das Komitee gebeten, mir schriftlich zu bestätigen, dass "Clinik-Fukushima" politisch völlig frei und unabhängig ist, um damit von breiten Kreisen japanischer Bürger Unterstützung bekommen zu können. Aber das Komitee ist zu meinem tiefsten Bedauern auf meine Bitte nicht eingegangen. Daher konnte ich nicht anders reagieren, als mich von der Klinik zu trennen, weil ich meinen ausländischen Spendern gegenüber nicht garantieren kann, dass die Klinik von dieser radikalen linken Gruppe Chuukakuha nicht instrumentalisiert wird.
Der eine von den 2 Männern von der Organisation Chuukakuha, die auf meine Frage antworteten, hieß Nobuo Manabe. Er gehört zu einer japanischen Eisenbahngewerkschaft "Dooroo-Chiba", spricht gut Deutsch und kommt regelmäßig nach Deutschland. Auch im letzten Jahr war er in Deutschland mit Herrn Oda und Frau Shiina, die mit ihm politisch gleich gesinnt sind. Sie haben mir auch bei meiner Reportagereise mit Herrn Alexander Neureuter in Japan sehr viel geholfen. Sie waren zu mir alle sehr freundlich und ich hatte durchaus ein freundliches Verhältnis zu ihnen. Darum war es mir umsomehr schmerzhaft, dass ich mich schließlich auch von ihnen trennen mußte. Ich konnte aber nicht anders reagieren, denn es ging um eine sehr prinzipielle Angelegenheit.
Kobayashi Kazuhiko
Für eine selbstverwaltete Kinderklinik in Fukushima
http://www.anti-atom-aktuell.de/archiv200/230/230klinik.html
Alexander Neureuter
■ Fukushima 360°. Das atomgespaltene Leben der Opfer vom 11. März 2011